Mittwoch, Oktober 28, 2026

Woche 40/2026 - Reisen im Zeichen des Buches (Teil 2) oder was ich über kleine Buchmessen gelernt zu haben glaube

BeschreibungDer Herbst steht bei mir weiterhin im Zeichen des Buches. 

Da ich es nicht schaffe, mir anderweitig genügend zeitlichen Zeitraum fürs Schreiben zu organisieren (treue Lesende dieses Blogs kennen mein Gejammer und Gewinsel diesbezüglich schon länger), habe ich mir für den Rest des Jahres die Mittwochvormittage "freigeräumt", um an dem einen oder anderen Text zu arbeiten, der unbedingt auf Papier gebannt werden möchte, damit ich meinen literarischen Seelenfrieden wiederfinde. Zudem möchte ich weniger Zeit in Nebenprojekte und Social Media-Posts stecken, die am Ende doch nur Verlegenheitslikes bekommen. Eine Konzentration aufs Kerngeschäft ist nötig!

Eine buchbezogene Ablenkung gab mein Terminkalender für 2026 aber dann doch noch her: Die Reise ins 722 km entfernte Hohenwart bei Ingolstadt, wo erstmals eine Kinder- und Jugendbuchmesse stattfand. Aus ökonomischen Gründen eine (zumindest) zweifelhafte Entscheidung meinerseits, so weit weg von der Heimat einen Messestand zu buchen, aber mein Vergangenheits-Ich musste sich dabei irgendetwas gedacht haben und so packte ich den größten bewegbaren Rollkoffer der Familie mit Kleidung (eher weniger) und Messestandausrüstung (eher mehr) und natürlich Büchern (hoffentlich ausreichend).

Mit der gebuchten Unterkunft hatte ich einen Volltreffer gelandet. Und nachdem die Deutsche Bahn wieder einmal Deutsche Bahn-Dinge tat (Reisedauer acht anstatt sechs Stunden), hatte ich mir zum Abendessen dieses unfassbar tolle Wildschwein-Cordon-bleu wirklich verdient. Obelix wäre stolz auf mich gewesen.



Die Messe selbst fand an einem Samstag von 10 bis 16 Uhr in einer sehr schönen, neuen und äußerst schicken Grund- und Mittelschule statt. So wie die ganze Orga sehr gut durchdacht und umgesetzt wurde, waren auch Veranstaltungsort, -zeit und -länge sehr gut gewählt. Es herrschte fast durchgehend Betrieb, der örtliche Sportverein versorgte die Leute mit Selbstgebackenem und wie ich hörte, gab es sogar einen Pizzawagen, aber den konnte ich nicht auskundschaften, da ich wirklich - bis auf eine kurze Pullerpause - durchgehend mit "Kundschaft" beschäftigt war. (Schlimm!) Die Räumlichkeit war klein genug, damit sich bekinderte Familien einen Überblick vor der Kaufentscheidung machen konnten, aber groß genug, um ein diverses Angebot zu erzeugen, bei dem die Besuchenden eine richtige Auswahl hatten.


Es herrschte eine sehr nette, freundliche, fast familiäre Stimmung unter den Ausstellenden, keine Selbstverständlichkeit, buhlten wir doch alle um das gleiche "Buchbudget" der Besuchenden. Lag es nun daran, dass in Bayern der Euro noch lockerer sitzt oder daran, dass es ein sehr heterogenes Angebot gab, "unsere" Ecke der Messehalle verzeichnete eine Menge Buchverkäufe, in meinem Fall sogar die bisher meisten "offline" Buchverkäufe an einem Tag. (Juchu!)

Ich selbst hatte noch eine andere Strategie als auf der BuchBerlin. Ich bewarb ausschließlich die Hardcoverausgabe des Pelipontalus, keine Hinweise auf das Hörbuch oder Mette (Sorry, Roland :().  Und das tat ich diesmal sehr offensiv. 


Seit Anfang des Jahres gibt es bei meinen Lesungen "Sternenreisepässe", die man selbst ausfüllen und kostenlos mitnehmen kann. Meine Eingangsfrage war stets "Haben Sie schon einen Sternenreisepass?" und bevor jemand über diesen Unsinn nachdenken konnte, waren die meisten Mitmenschen schon damit beschäftigt, ihre bevorzugte Stempelfarbe auszusuchen. Ich bekam sie (bis auf zwei Ausnahmen) alle: Die gutgelaunten Omas, die gestressten Eltern und natürlich auch die reizüberfluteten Kinder. Über 150 Reisepässe stellte ich aus und verwickelte die Leute sofort in Diskussionen um SciFi-Geschichten und das Pelipontalus-Buch, von dem - welch ein Zufall! - da auch ein Ansichtsexemplar lag. Unterstützt wurde ich zeitweise von meiner liebsten Münchner Leserin und ihrem panzerknackenden Ehemann, die jede Menge gute Laune und großartigste Erdbeer-Vanille-Marmelade an meinen Stand brachten. Ich hoffe, ich war nicht zu socially awkward, so eine Messe ist schon eine ziemliche Ausnahmesituation (zumindest für mich), wo man viel zu viel erzählt und bestimmt auch noch viel Quatsch.




Es war eine richtig, richtig tolle Veranstaltung und wenn Hohenwart aus Küstenbewohnerperspektive nicht am anderen Ende der Republik liegen würde, wäre ich nächstes Jahr ganz sicher wieder dabei.

Nichtsdestotrotz habe ich wieder ein paar Dinge gelernt:

(1) Kinder- und Jugendbücher funktionieren für mich. Familien kommen ganz gezielt und kaufen Bücher. Generell gehaltene Veranstaltungen (wo momentan v. a. Dark Romance, Young Adult und Co. stattfinden) sind mit dem Pelipontalus viel schwieriger zu bespielen.

(2) Ich brauche einen Rollup, damit mich Lesende, die sich um- oder spät entscheiden, schneller wiederfinden.

(3) Die Strategie, wirklich jeden Passierenden anzusprechen, hat sich wirklich gelohnt. Und mit einem Sternenpass ist es nicht mehr so cringe, wie es sich am Anfang angefühlt hat. Potenzielle Buchkaufende konnte ich tatsächlich immer erst identifizieren, wenn sie das Portemonnaie zückten.

(4) Wie bereits erwähnt: Man kann in diesem Format nur ein Produkt/Buch bewerben. Alles andere ist illusorisch. 

(5) Kostenlose Giveaways wie Aufkleber und Postkarten mit dem Cover (dann muss sich niemand Buchtitel und Autor/Illustrator merken) immer ausreichend dabei haben.

(6) Quittungsblock, Bestellformulare, Kleingeld und QR-Code für PayPal-Zahlung nicht vergessen.

(7) Drucke und Aufkleberblöcke verkaufen sich schlecht, sind aber eine gute Beigabe, die es erlaubt, z. B. 20 € anstatt 17,99 € für das Buch allein aufzurufen.

Montag, Oktober 26, 2026

Woche 32/2026 - Cluj/Klausenburg/Kolozsvár oder "Urlaub ohne Kinder, wie ging das noch mal? "

Am schönsten ist ja Familienurlaub ohne Familie. Das würde meine Frau niemals sagen. Nicht einmal denken. Nicht einmal darüber nachdenken, ob man das denken darf.

Und trotzdem finden wir jedes Jahr zwischen idyllischen Momenten im Haus auf dem Hügel im Wald, Sommerrodelbahn, Freunde besuchen, Zakuska kochen, Familienfesten und unzähligen Sprüngen in den Lieblingspool ein paar Tage für uns allein. Also für die Liebste und mich. Wie so ein frischverliebtes Paar.


Dieses Jahr erkundigten wir v.a. Cluj-Napoca. Andere nennen es Klausenburg oder ungarisch Kolozsvár und sie ist eine dieser Städte, bei denen man schon mit der Wahl des Ortsnamens unabsichtlich in ein Fettnäpfchen treten kann.

Über Jahrhunderte gehörte die hübsche siebenbürgische Universitätsstadt zum Königreich Ungarn, später zur Habsburgermonarchie, bevor sie nach dem Ersten Weltkrieg rumänisch wurde. Mit einer Unterbrechung von 1940 bis 1944 ist sie dies noch heute.

Und zu allen Zeiten wurde sie von den verschiedensten Völkergruppen Siebenbürgens bewohnt. Bedauerlicherweise hat sich allerdings bis heute aus diesen unterschiedlichen Erinnerungen keine wirklich gemeinsame, nicht-nationalistische Geschichtskultur entwickelt. Natürlich gibt es Bemühungen um Verständigung, mehrsprachige Initiativen und Menschen, denen die „Ethnie“ ihrer Nachbarn erfreulich egal ist. Aber im öffentlichen Gedenken stehen sich die historischen Narrative häufig noch immer ziemlich unversöhnlich gegenüber. Und der Umstand, dass der Ort quasi ein „ungarisches“ und ein „rumänisches“ Stadtzentrum besitzt, macht die Situation noch kurioser und skurriler.

Aber natürlich gibt es auch Orte, wo alle Kulturen nebeneinander und miteinander stattfinden können, etwa in der tollen Annie Klaus Galerie. Hier findet man tolle Postkarten für 2 €, wunderbare Drucke für 30 € oder auch ein wandfüllendes Gemälde für einen bedeutenden fünfstelligen Betrag. Und da meine Liebste und ich etwas verrückt sind, sind wir unserem eigenen Wahlspruch „Kauft mehr Kunst!“ gerne gefolgt.



Abends gab es dann wunderbare, selbstgemachte Nudeln bei Pasta Nostra. (Hier gab es von uns fünf von fünf möglichen „Da capo(s)!“)

Unser Fazit? Wir freuen uns schon auf 2027!

Sonntag, Oktober 25, 2026

Woche 43/2026 - Lyon, "Der Handstreich auf dem Königstein" und php

Therapeutisches Bloggen war ja schon immer so ein Ding hier. Ja, eigentlich der Grund, warum ich an dieser Stelle einst mit semi-fiktionalem Microposting anfing. Und da ich momentan keinen der größeren und älteren Wochenberichte fertig bekomme, habe ich beschlossen, einfach mal ein paar offene Tabs in meinem Hirn an dieser Stelle öffentlich zu schließen.

Gereist

In dieser Woche war ich dienstlich in Lyon. Nun ja, man hätte sich bessere Wochen aussuchen können.  „Die Tourismusinformation ist wohl zurzeit geschlossen“, meinte mein finnischer Kollege.


Die Lage war während unseres Aufenthalts allerdings durchgehen ruhig und außerhalb der ehemaligen „Kampfzone“ ziemlich "normal". Obwohl die Schwägerin nur eine Stunde entfernt wohnt, war ich bisher tatsächlich nur durch Lyon durchgereist. Aber mein erster Eindruck (in den abendlichen Stunden nach der Arbeit) lässt ein schönes Ausflugsziel für ein verlängertes Wochenende vermuten. Zudem haben wir zu fairen Preisen sehr gut gespeist (Œuf mollet mit Pilzen, Entenbrust mit Brombeer-Sauce, Crème brûlée).

 


Gelernt

Ich war etwas überrascht, wie wenig die Öffentlichkeit darüber weiß, was PHP so tut und warum es so wichtig ist. Das kommt davon, wenn man in einer Bubble lebt. Gefühlt gab es seit Y2K kein IT-(Sicherheits-)Problem mehr, das es so nachhaltig in die Mainstream-Medien geschafft hat. Auch schön zu sehen, wie viele öffentliche Institutionen ihre Seiten vorsorglich vom Netz genommen hatten. Die Grundfesten des Systems scheinen zu funktionieren. (Zumindest hoffe ich das ganz inständig.)

Gelesen

Ich erwähnte es mehrmals, unter anderem in der Eskapedia: Ich sammle (und lese) das MOSAIK, die legendäre (ost)deutsche Comicserie. Zuletzt gab es mit „Das Duell an der Newa“ und „Das Konzert unter Wasser“ gleich zwei neuproduzierte Hefte, die es 1964 nie über das Manuskript hinaus geschafft hatten. Nun legte der Media Neos Verlag nach und gab das Heft 79 mit neuem Titel " Der Handstreich auf dem Königstein" und alternativen Cover als „Die Digedags“ und Beilage anlässlich „190 Jahre Sächsische Dampfschiffahrtsgesellschaft“ als Nachdruck heraus. Mein Fazit: Schöne Idee, die Umsetzung eher enttäuschend. Während das Cover wirklich gelungen ist, stimmt die Druckqualität des Reprints des Heftinhalts so gar nicht: Alles verwaschen und einfach bäh. Ich will nicht von Geldschneiderei sprechen, aber das ist wirklich nur was für Leute, die ungefiltert alles sammeln.


Gehört & Gesehen

Eventuell habe ich mich über ein AI-Filmchen mit AI-Musik amüsiert, das AI kritisiert. Es sind keine einfachen Zeiten.